Generell ist es verboten, Tiere der besonders geschützten Arten -
und dazu zählt der Igel - aus der Natur zu entnehmen. Dies gilt auch
für den eigenen Garten! Das Naturschutzgesetz erlaubt jedoch, Igel,
auf die eine der folgenden Definitionen zutrifft, aufzuziehen bzw. gesund
zu pflegen. Paßt keines dieser Kriterien auf den Igel, den Sie gefunden
haben, so setzen Sie ihn bitte umgehend wieder am Fundort aus. Drohen
ihm dort jedoch Gefahren, bringen Sie ihn in ein Grüngelände
mit Unterschlüpfen.
Durch die rechtzeitige Einrichtung einer Futterstelle in den nahrungsarmen
Jahreszeiten (Frühjahr und Herbst) erübrigt es sich oft, Igel
in menschliche Obhut zu nehmen.

Zufütterung im Freien:
Um das Futter (s. Ernährung) vor Vögeln, aber auch vor Regen
zu schützen, stellt man es abends in ein mit mindestens zwei 10 x
10 cm kleinen Einschlupflöchern versehenes Kistchen. Muß das
Futter zusätzlich noch vor Katzen geschützt werden, empfiehlt
sich der Bau eines Futterhauses mit verwinkeltem Eingang. Futterreste
müssen morgens unbedingt beseitigt und die Schüsseln heiß
gespült werden.
«Katzensicheres Igelfutterhaus»

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Wenn Sie unsicher sind, ob der Besucher Ihrer Futterstelle wirklich nur
hungrig oder vielleicht doch krank ist, wiegen Sie den Igel, markieren
ihn mit einem kleinen Tupfer Nagellack auf den Stacheln und setzen Sie
ihn wieder hinaus. Nach einigen Tagen wiederholen Sie das Wiegen. Hat
der Igel nicht zugenommen, muß evtl. eingegriffen und der Igel genauer
untersucht werden.
Kriterien für die Hilfsbedürftigkeit:
1. Verletzte Igel oder solche, die womöglich tagelang ohne Futter
und Wasser in Lichtschächten, leeren Schwimmbecken oder ähnlichem
gefangen waren.
2. Kranke Igel. Man erkennt sie meist daran, daß sie tagsüber
herumlaufen, - torkeln oder -liegen. Sie sind oft apathisch, kühl,
rollen sich kaum ein, sind häufig mager. Hinter dem Kopf sieht man
eine Einbuchtung, Schultern und Hüftknochen bilden sich deutlich
ab. Die Augen sind nicht rund, sondern schlitzförmig und eingefallen.
Tagaktivität ist beim Nachttier Igel immer ein Alarmzeichen. Eine
Ausnahme bilden allerdings aufgestörte Igel. Zerstört man z.B.
bei Garten-arbeiten ein Igelnest, sucht sich auch ein gesundes Tier tagsüber
einen neuen Unterschlupf.
3. Verwaiste Igelsäuglinge, die sich tagsüber außerhalb
des Nestes aufhalten, geschlossene Augen und Ohren haben und evtl. unterkühlt
sind (frühestens ab Juni/Juli, meist im Aug./Sept.)
Erste Hilfe - Checkliste:
1. Notieren Sie sich das Funddatum, die Uhrzeit, das Gewicht und die genaue
Fundstelle. Beginnen Sie damit den 'Pflegebericht', in den Sie weiterhin
Gewichtszunahme, Tierarztbesuche usw. eintragen.
2. Untersuchen Sie den Igel in jedem Fall auf Verletzungen. Inspizieren
Sie auch Kopf, Bauchseite und Beine.
3. Unterkühlte Igel müssen aufgewärmt werden. Eine Unterkühlung
ist vorhanden, wenn sich das Tier an der Bauchseite deutlich kälter
anfühlt, als Ihre Hand. Eine mit gut handwarmem Wasser gefüllte
Gummiwärmflasche - kein Heizkissen! - umwickelt man mit einem Frotteehandtuch
und legt sie in einen passenden, hochwandigen Karton. Darauf setzt man
den Igel und deckt ihn mit einem weiteren Handtuch zu
4. Baden Sie Igel nicht! Lassen Sie Flöhe und Zecken vom Tierarzt
entfernen.
5. Suchen Sie den Tierarzt möglichst bald auf. Ihr Igel ist krank.
Unterbringung und Ernährung im Haus allein heilen das Tier nicht!
6. Richten Sie in einem Raum mit Zimmertemperatur - nicht im Freien! -
einen Auslauf für den Igel her. Käfige, Obstkisten, Bade- oder
Waschwannen sind keine igelgemäßen Unterkünfte (s.Unterbringung).
7. Geben Sie Ihrem Igel zur Erstversorgung entweder ein Schüsselchen
mit Katzen- oder Hundedosenfutter oder braten Sie ihm in der Pfanne ein
Rührei mit etwas Öl und ohne Gewürze. Zu trinken bekommt
er Wasser, niemals Milch. Igel ernähren sich in der Natur von eiweiß-
und fettreichen Insekten. Sie sind keine Vegetarier, fressen also weder
Obst noch Gemüse (s. auch Ernährung).
8. Bei sehr schwachen Tieren können Sie zunächst versuchen,
ihnen mittels einer Plastikspritze ohne Nadel etwas lauwarmen, ungesüßten
Fenchel- oder Kamillentee einzuflößen, danach auch Breinahrung,
zum Beispiel Rindfleischzubereitung ab 4. Monat der Firma Hipp-Babynahrung.
Auf alle Fälle sollten Sie ein solches Tier dem Tierarzt oder einer
Igelstation vor-stellen.
9. Igel sind keine Haustiere und kein Kinderspielzeug, sondern geschützte
Wildtiere. Unterlassen Sie unbedingt Zähmungsversuche.
Unterbringung:
Igel sind Einzelgänger. Jeder Igel braucht also ein eigenes Gehege.
Nur ganz junge Igel aus einem Wurf vertragen sich eine Zeitlang miteinander.
Ein Igelgehege soll mindestens 2 qm groß und absolut ausbruchsicher
sein. Die Höhe der Seitenwände muß 45 bis 50 cm betragen.
Am besten fertigt man das Gehege aus gut zu reinigenden, beschichteten
Span- oder Hartfaserplatten an, und stattet es wegen der Wärmedämmung
auch mit einem Boden aus. Diesen bedeckt man mit mehreren Lagen Zeitungspapier
(nicht mit Sägemehl, Katzenstreu, Torf o.ä.), das man täglich
(!) wechselt.
«Igelgehege»

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Als Schlafhäuschen wählt man einen oben zuklappbaren Karton
von ca. 30 cm Kantenlänge und versieht ihn mit einem seitlichen Schlupfloch
von ca. 10 x 10 cm. Das Schlafhaus wird mit reichlich zerrissenem und
zerknüllten Zeitungspapier (kein Heu/Stroh, keine Lappen, keine Holzwolle)
gefüllt, das man bei Verschmutzung austauscht.
Ernährung:
Igel sind Insektenfresser, doch in der Gefangenschaft soll man sie nicht
mit Schnecken, Regenwürmern etc. ernähren, weil diese Überträger
von Innenparasiten sind. Milch bewirkt wegen ihres Milchzuckers Durchfall,
in der Folge Darmentzündungen und Infektionen, die für den Igel
tödlich enden können. Futter und Wasser reicht man in kippsicheren,
flachen Glas- oder Porzellannäpfen. Gefüttert wird in der Regel
nur einmal täglich, und zwar abends. Läuft jedoch ein offensichtlich
hungriger Igel auch tagsüber unruhig im Gehege herum, sollte man
ihm selbstverständlich Nahrung anbieten. Das gleiche gilt für
geschwächte Tiere, die die notwendige Futtermenge oft nur in mehreren
kleinen Portionen einnehmen. Futterreste müssen weggeworfen und die
Näpfe täglich (bzw. nach jeder Mahlzeit) heiß gespült
werden.
Die erforderliche Nahrungsmenge ist von Igel zu Igel verschieden. Sie
hängt vom Körpergewicht und vom Gesundheitszustand ab. Ein mittelgroßer
Igel frißt etwa eine Menge, die einen 150-g-Joghurtbecher füllen
würde. Maßstab für die richtige Futtermenge bildet die
Gewichtszunahme. Anfangs wird der Igel täglich, später nur noch
wöchentlich gewogen. Man legt ihn dazu auf dem Rücken in die
Waagschale und pustet ihn ein bißchen an, damit er ruhig hält.
Wenn ein abgemagertes Tier Nachholbedarf hat, kann es täglich 10
bis 20 g zunehmen, später sollten es 7 bis 10 g pro Tag sein.
Pro Portion gibt man entweder einen Eßlöffel Weizenkleie oder
zwei Eßlöffel Futterhaferflocken bzw. Igeltrockenfutter zum
Fleisch, Ei oder Dosenfutter. Evtl. feuchtet man die Mischung mit etwas
Wasser an.
«Grundnahrungsmittel» für Igelfutter:
Katzen- oder Hundedosenfutter,
Eier (hartgekocht oder als Rührei),
Geflügelfleisch (gekocht) und
Rinderhackfleisch (roh nur ganz frisch,
besser kurz anbraten).
Als darunter zu mischende "Ballaststoffe"
(zur guten Verdauung unerläßlich)
eignen sich:
Weizenkleie,
Futterhaferflocken oder
Igeltrockenfutter.
Winterschlaf:
Grundsätzlich ist anzustreben, gesund gepflegte Igel bzw. aufgezogene
Igeljunge noch im Herbst auszuwildern.
Erreicht ein in menschliche Pflege genommener Igel ein für den Winterschlaf
ausreichendes Gewicht (mindestens 500g, besser 600 bis 650g) jedoch erst
sehr kurz vor Wintereinbruch oder gar danach, muß man bis zum Frühjahr
warten, ehe man ihn in die Freiheit entläßt.
Doch sollte man einem gesunden Tier auch bei häuslicher Überwinterung
Gelegenheit zum Winterschlaf geben. Zu diesem Zweck stellt man sein Gehege
in ein kaltes Zimmer, auf den Balkon, auf die Terrasse, in ein Gartenhäuschen,
oder man baut ein Freigehege im Garten. Kellerräume sind meist ungeeignet,
weil zu warm. Die Umgebungstemperatur sollte möglichst der Außentemperatur
entsprechen. Bei Raumtemperaturen von mehr als 6 Grad fällt der Igel
lediglich in einen kräftezehrenden «Dämmerschlaf»,
in dem er weder fressen noch winterschlafen kann. Daher ist auch direkte
Sonneneinstrahlung (Südseite) zu vermeiden. Das bisher benützte
Schlafhäuschen setzt man in einen etwas größeren Karton,
besser noch in ein Holz- oder Spanplattenhäuschen (etwa 40 cm Kantenlänge)
und isoliert zwischen beiden Häusern sowie Ober- und Unterseite mit
reichlich zusammengeknülltem Zeitungspapier. Selbstverständlich
schneidet oder sägt man auch in das Überhaus ein deckungsgleiches
Schlupfloch.
Nachdem man den Igel in sein Winterquartier gebracht hat, füttert
man ihn solange normal weiter, bis er das Futter nicht mehr anrührt.
Bis dahin können einige Tage, aber auch Wochen vergehen. Auslauf
und Häuschen reinigt man nach wie vor.
Hat sich der Igel dann offensichtlich zum Winterschlaf zurückgezogen,
klebt man mit zwei Stückchen Klebeband ein Blatt Toilettenpapier
vor das Schlupfloch. So kann man - ohne ins Schlafhaus zu fassen - auf
einen Blick erkennen, ob das Tier wieder aufgewacht ist und nachts sein
Häuschen verlassen hat oder ob es weiterschläft. Für alle
Fälle und als «Notration» stellt man in das Gehege ein
Schälchen mit Igel- oder Katzentrockenfutter, dazu frisches Wasser.
Auch schlafende Igel muß man täglich kontrollieren!
Eine Unterbrechung des Winterschlafs bei steigenden Temperaturen kommt
hin und wieder vor. Dann füttert man die normale, eiweißreiche
Nahrung.
Auswilderung:
Igel - auch solche, die in menschlicher Obhut Winterschlaf halten
- wachen meist Ende März bis Mitte April auf und müssen
nun wieder aufgefüttert werden. Innerhalb von zwei bis drei
Wochen erreicht oder übertrifft der Pflegling das Gewicht,
das er vor dem Winterschlaf hatte (Aussetzgewicht von Jungigeln:
ca. 700 - 800 g). Ideal ist es, wenn er die Zeit bis zum Aussetzen
in einem Freigehege verbringen darf. Er kann dort seine Muskeln
trainieren und findet außer dem Futter im Napf auch schon
etwas natürliche Nahrung, was ihm die Eingliederung in die
Natur erleichtert.
Praxistip: Ein Freigehege für einen Igel sollte mindestens
4 qm groß sein, zwei Igel brauchen 8 qm usw. Als Zaunmaterial
geeignet sind z.B. Wellpolyester, PVC-Platten, Holzbretter, halbrunde
Palisadenhölzer, sehr feiner Maschendraht. Der Zaun muß
mindestens 50 cm hoch sein und 10 - 15 cm in den Boden eingegraben
werden. Einen Drahtzaun schließt man oben mit einem nach
innen ragenden Brett ab, damit er nicht überklettert werden
kann. Ein Baum oder Büsche im Gehege spenden dem Schlafhaus
den nötigen Schatten.
Das Futter wird in ein regendichtes Häuschen mit gut zu reinigendem
Boden gestellt. Um das Futter vor Katzen zu schützen, empfiehlt
sich der Bau eines Futterhauses (siehe Seite 1). Auch im Freigehege
ist Sauberkeit oberstes Gebot!
Die Zeit zum Aussetzen ist gekommen, wenn im Frühjahr Sträucher
und Hecken ergrünt, die Nahrungstiere des Igels wieder vorhanden
sind, und auch die Geranien in den Blumenkästen ins Freie
kommen (ca. Ende April bis spätestens Mitte Mai).
Soll der Igel im eigenen Garten ausgesetzt werden, baut man einfach
das Gehege ab, beläßt aber das Schlafhaus und beschickt
die Futterstelle weiterhin, bis der Igel beides ignoriert.
Kennt man den Fundort des Igels, so ist er unbedingt dort wieder
hinzubringen. Igel haben ein gutes Ortsgedächnis! Muß
man ein Aussetzgelände suchen, ist zu beachten, daß
der neue Lebensraum Nahrung und Deckung bietet. Nicht infrage
kommen steile Hanglangen, feuchte Böden, Flu-ßufer,
Überschwemmungsgebiete, Nadel- und Laubhochwälder, ausgeräumte
landwirtschaftliche Flächen, die Nähe von nachts stark
befahrenen Straßen, Baustellen, Gebiete mit regelmäßigem
Insektizideinsatz.
Die beste Zeit zum Aussetzen ist die Abenddämmerung.
Praxistip: Vor dem Aussetzen müssen meist die Krallen des
Igels gekürzt werden. Betrachtet man sie von der Fußsohle
aus, sieht man die hohlen Teile der Krallen, die abgeschnitten
werden können. Kontaktieren Sie evtl. Tierarzt oder Igelstation!
Zahlreiche Beobachtungen haben ergeben, daß sich fachgerecht
aufgezogene und gesund gepflegte Igel gut in der Natur zurechtfinden.
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